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Nam June Paik
Nam June Paik
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1932 Seoul (Korea) - 2006 Miami (USA)
 
Als "Vater der Videokunst" oder "Guru der Video Art" wird Nam June Paik gerne tituliert. Die Prädikate beziehen sich auf die Multi-TV-Installationen, die als Paiks wichtigster Beitrag zur zeitgenössischen Kunst gelten. Darüber hinaus ist der koreanische Künstler, der von der Musik herkommt, als führender Vertreter der Fluxus-Bewegung bekannt geworden.
 
Nam June Paik wurde als fünftes und jüngstes Kind einer Textilfabrikantenfamilie in Seoul geboren. Mit 14 Jahren erhielt er den ersten Klavier- und Kompositionsunterricht und entdeckte schon bald die Musik von Arnold Schönberg für sich.
 
Von 1953 bis 1956 studierte er Musikgeschichte, Kunstgeschichte und Philosophie an der Universität von Tokio, wo sich seine Familie wegen des Koreakrieges niedergelassen hatte. Die Beschäftigung mit Neuer Musik führte ihn anschließend nach Deutschland, wo er an der Universität München und an der Hochschule für Musik in Freiburg studierte.
 
Von 1958 bis 1963 lebte Paik in Köln und arbeitete mit Karlheinz Stockhausen im Studio für Elektronische Musik des WKR. Die Aufführung der "Hommage à John Cage" und die Konzerte im Atelier von Mary Bauermeister bilden den Auftakt seiner spektakulären Auftritte in den frühen 60er Jahren. Die neuartige Aktionsmusik wurde teilweise als schockierend empfunden und brachte ihn in Kontakt mit der bildenden Kunst.
 
Paik begann, auch visuell mit Elektronik zu arbeiten. In der Galerie Parnasss, dem privaten Haus des Architekten-Ehepaars Jährling in Wuppertal, zeigt er im Jahr 1963 unter dem Titel "Exposition of Music - Electronic Television" präparierte Klaviere, teilweise manipulierte Fernsehgeräte, eine Schaufensterpuppe in der Badewanne und zahlreiche Geräuschobjekte.
 
Er kehrt wieder nach Japan zurück und führt zusammen mit dem Elektroingenieur Shuya Abe Experimente an Farbfernsehern durch. Außerdem entwickelt er einen Roboter, der gehen, sprechen und Bohnen auswerfen kann. Damit tritt er auf dem 2nd Annual New York Avantgarde Festival auf, das die damals 24jährige Cellistin Charlotte Moorman organisierte.
 
Daraus erwuchs eine enge Zusammenarbeit mit Charlotte Moorman. Die Erstaufführung der "Opera Sextronique" (1967), in der Moorman mit nacktem Oberkörper spielte, löste einen Skandal aus. Komponist und Interpretin wurden verhaftet und vor Gericht geführt. Die Sexualität, die Paik in die Musik einführte, wurde als anstößig empfunden.
 
1969 entsteht mit "TV Bra for Living Sculpture" das erste Videoobjekt für Charlotte Moorman. Der kleine Fernsehbüstenhalter zeigt entweder das laufende Fernsehprogramm oder, in einer sogenannten Closed-Circuit-Installation, die spielende Cellistin und wahlweise die anwesenden Zuschauer.
 
Für die New Yorker Galerie Bonino hat Paik seine berühmte Closed-Circuit-Installation "TV Buddha" (1974) entworfen. Dabei betrachtet eine antike Buddha-Skulptur das eigene Ebenbild im Monitor. Damit wirft Paik die Frage nach Bild und Abbild auf, nach Versenkung nach innen und Öffnung nach außen.
 
Die beiden großen Retrospektiven im Whitney Museum und im Centre Georges Pompidou (1982) tragen zur weltweiten Anerkennung von Nam June Paik bei. Das Werk des Künstlers, interdisziplinär und weltumspannend, hängt ganz wesentlich mit der eigenen Biographie zusammen. Die Vision des "Global Village", die 1962 von Marshall McLuhan entworfen wurde und die auch für John Cage, den Lehrer Paiks, eine nahezu total mediatisierte Welt bedeutet, findet in Nam June Paiks Arbeiten ihren ersten visuellen Ausdruck.
 
 
Ausgewählte Einzelausstellungen:
 
1991 Nam June Paik: Video Time - Video Space, Kunsthalle Basel.
 
1994 Retrospektive im Centro d'Arte Reina Sofia, Madrid.
 
2000 Retrospektive im Solomon R. Guggenheim Museum, New York.