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Lucio Fontana
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1899 Rosario di Santa Fé, Argentinien - 1968 Varese, Italien
Wütend soll Lucio Fontana eines seiner 'misslungenen' Bilder durchschnitten haben. Sein Bemühen, Bilder stets verschönern zu wollen, soll ihn selbst derart irritiert haben, dass ihm dieser gewaltätige Akt 1958 neue Möglichkeiten eröffnete - der Schnitt ("Taglio") jedenfalls wurde nach dem Loch ("Bucho") Fontanas zweites Markenzeichen.
Die Ablösung des Bucho durch den Taglio geht mit einem deutlichen Wechsel der Farben einher. "Sehr vereinfacht kann man sagen, dass sich seine eine Farbskala von einer erdigen, ockergelben oder kittfarbenen Farbmasse zu den einfarbigen Farbfeldern der 60-er Jahre entwickelt", beobachtet Bernard Ceysson.
"Diese Farben sind entweder rein oder gebrochen, sie sind gleichzeitig matt und intensiv, immer elegant und werden in dem 38-teiligen Zyklus "La fine di Dio" (Das Ende Gottes) durch glitzernde Glassteine aufgewertet". Es sind genau die Bilder, die auf dem internationalen Kunstmarkt immer wieder für Furore und hohe Preise sorgen.
Wie alles begann?
Lucio Fontana wird am 19. Februar in Argentinien als Sohn des Bildhauers Luigi Fontana aus Varese und seiner Frau Lucia Bottini, einer Argentinierin italienischer Abstammung, geboren. 1905 kehrt er mit dem Vater nach Italien zurück, wo sie sich in Mailand niederlassen. 1910 beginnt Fontanas künstlerische Ausbildung in der Bildhauerwerkstatt seines Vaters.
Von 1914 bis 1915 besucht er die Baugewerksschule am Technischen Institut Carlo Cattaneo in Mailand, nimmt am Ersten Weltkrieg freiwillig als Infanterie-Leutnant teil und beendet später sein Studium als Diplom-Ingenieur. 1920 immatrikuliert er sich an der Kunstakademie Brera in Mailand, wo er zehn Jahr später ein Diplom für Bildhauerei erhält.
Zunächst jedoch kehrt Lucio Fontana 1921 nach Argentinien zurück und arbeitet im väterlichen Atelier, wo kommerzielle Gebrauchskunst entsteht. 1924 eröffnet er ein eigenes Bildhaueratelier. Ein Jahr später debütiert er als eigenständiger Bildhauer mit der Ausstellung von "Melodias", einer Porträtstudie. Fontana orientiert sich am Vorbild Aristide Maillols.
1928 zieht es Fontana wieder nach Mailand. Es entstehen Terrakottareliefs und -porträts sowie Sgraffito-Zementtafeln. In Mailand gewinnt er den von der Stadt ausgeschriebenen Wettbewerb für eine Mussolini-Büste (1933).
Ab 1934 werden mehrere Einzelausstellungen organisiert, unter anderem von der Mailänder Galleria del Millione. Seine Experimentierfreude und freie Ausführung seiner Werke stoßen zuweilen auf Verständnislosigkeit. 1935 beginnt er in Albisola mit der keramischen Arbeit, die er unter anderem in der Manufaktur Sèvres fortsetzt.
In Paris trifft er auf Joan Miró, Tristan Tzara und Konstantin Brancusi. Er erhält verschiedene Auszeichnungen für sein keramisches Werk. 1940 zieht es in abermals nach Argentinien. 1945 erhält er eine Professur für Bildhauerei an der Escuela de Bellas Artes von Buenos Aires und verteilt als Flugblatt das "Manifesto Blanco".
1947 kehrt Fontana nach Mailand zurück, wo er mit einer Gruppe junger Künstler in Kontakt tritt. Als Ergebnis der Treffen und Diskussionen erscheint im Mai das "Primo Manifesto dello Spazialismo", das nun auch seinen Namen trägt. Sein Atelier richtet er in der Via Prina ein.
In einer Mailänder Buchhandlung werden gezeichnete "Concetti spaziali" (Raumentwürfe) ausgestellt. Mit der "Buchi"-Serie kündigt sich alsbald eine Vertiefung seiner 'spazialen' Untersuchungen in eine 'malerische' Richtung an. "Das Loch ist meine Erfindung, und damit basta. Nach dieser Erfindung kann ich sterben".
1959 präsentiert Fontana seinen neuen Zyklus der "Tagli". Das Interesse der internationalen Kunstkritik nimmt zu, angefangen von Michel Seuphor, Hans Platschek und Nello Ponente bis Pierre Restany.
Insbesondere die Teilnahme an der Leverkusener Ausstellung "Monochrome Malerei" zeigt, dass Fontana nunmehr die Überwindung des Informel anstrebt, zu dessen europäischen Hauptvertretern er seit Ende der 40-er Jahre gehört hatte. 1962 organisiert das Städtische Museum Leverkusen auf Initiative von Udo Kulturmann eine umfassende Werkanthologie.
1968 lässt sich Lucio Fontana endgültig in Comabbio (Varese) nieder, wo er ein altes Familienhaus restauriert und ein neues Atelier einrichtet. Trotz seines schlechten Gesundheitszustands arbeitet Fontana an den Olii, den Buchi und vor allem an den Tagli.
Lucio Fontana hinterlässt ein gigantisches Lebenswerk. Es umfasst Leinwand-Bilder genauso wie Arbeiten aus Bronze, Keramik und Lichtskulpturen. Fontana beherrschte in der ersten Schaffensphase verschiedene Stile, angefangen von den beinahe klassisch-gegenständlichen Frühwerken über eine eher "barocke" Bildsprache bis den Grossformaten aus Metall mit bis zu sechs Metern Breite.
Der spätere "Zerstörer des Tafelbildes", der mit großem handwerklichen Können ausgestattet war, wollte ein Künstler der Moderne sein und gleichzeitig das zeitlose "Gefühl für das Menschsein erhalten". Diese Haltung geht einher mit seinem Interesse für Geschichte und Anthropologie und wird erst seit einigen Jahren in ihrer ganzen Tragweite wahrgenommen.
Ausgewählte Einzelausstellungen:
1987 Retrospektive im Centre Georges Pompidou in Paris, in der Fondation Caixa de Pensions, Barcelona, und im Stedelijk Museum Amsterdam.
1996 Retrospektive in Zusammenarbeit mit der Fondazione Lucio Fontana Mailand in der Schirn Kunsthalle Frankfurt und im Museum moderner Kunst Stiftung Ludwig, Wien.
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